Das Kino hier hat zwei entscheidende Vorteile. Erstens kostet es nicht einmal drei Euro Eintritt und zweitens werden alle ausländischen Filme in Orginialsprache mit Untertiteln (OmU) gezeigt. Wenn man sich die schlecht synchronisierten Filme im Fernsehen anschaut tut das auch Not. So kann meinereiner sogar bei den miesesten Blockbustern noch Vokabeln lernen. Die Filme die ich mir im Kino angeschaut habe waren jedoch brasilianisch und daher komplett ohne Untertitel. Anyway, gut für's Sprachverständnis ist es auf jeden Fall.
Der erste Film den ich mir angeschaut habe hies "Anjos do Sol" und handelt vom Kindesmissbrauch in Brasilien. Alle mit denen ich über den Film geredet hab, konnten die traurige Existenz solcher Fälle bestätigen. Und es sind vorallem im Norden Brasiliens nicht wenige. 
Die kleine Maria wird von ihren Eltern verkauft und landet nach einer langen Reise schließlich in einem Kinderbordell irgendwo im Regenwald. Gewalt und mehrfacher Missbrauch stehen auf der Tagesordnung. Nachdem ihre erste Flucht misslingt wird ihre Komplizin vor den Augen der Dorfgemeinschaft (die von dem Etablisement regen Gebrauch macht) hinter einem Auto zu Tode geschleift. Die zweite Flucht gelingt und Maria schafft es als Anhalterin bis ins ferne Rio. Dort sucht sie Zuflucht bei einer Frau, die sie aber nach kurzer Eingewöhnungsphase ebenfalls auf den Kinderstrich schickt. Mit der erneuten Flucht endet der Film. Kein schöner und leider auch kein guter Film. Der Hintergrund ist abartig schrecklich und die Schauspieler mögen gut sein, aber das wars dann leider auch schon. Die Story ist platt erzählt und die Kamera einfallslos. Mag sein, dass das Budget sehr begrenzt war, aber das macht den Film auch nicht besser. Schade!
Der zweite Film hatte den Titel "Estamira". Ich hab ihn mir am Sonntag nach dem Opernbesuch quasi als Kontrastprogramm zu dem ganzen Glanz und Glamour angeschaut. Ich war irrsinnig gespannt auf den Film, schließlich hat er unzähligen Auszeichnungen erhalten. In dem Dokumentarfilm geht es um Menschen, die im Müll und vom Müll leben. Genauer gesagt geht es um eine alte Frau namens Estamira.
Estamira lebt auf einer Deponie in Rio de Janeiro. Tagsüber sammelt sie Plastikflaschen aus den frisch angelieferten Abfällen, nachts wärmt sie sich im Dreck liegend am Feuer der Schornsteine. Es gibt dort nur Müll, jede Menge Fliegen, Geier und ab und zu einen Kadaver (angelieferte Pferde oder einfach nur der Nachbar). Dazu kommt: Estamira ist geisteskrank.
Gerade noch der freundlichste Mensch der Deponie schneidet sie schon im nächsten Moment eine Fratze und brüllt wirres Zeug. Ihr Hass richtet sich dabei ausschließlich gegen Menschen, denn einen Gott - und da ist sie sich absolut sicher - gibt es nicht. Sie sieht in sich selbst eine Art Erlöser, größer als Jesus Christus und versucht die Menschen in ihrer Umgebung z bekehren. Andere Meinungen akzeptiert sie nicht, was immer wieder zum Streit mit ihren Kindern führt.
Der Film ist richtig hart. Die fremde Sprache und die Länge des Filmes (deutlich über den üblichen 90 Minuten) trugen auch dazu bei, dass ich irgendwann komplett den Faden verloren und das Ende regelrecht herbeigesehnt habe. Leider wiederholt sich einiges viel zu oft. Ich würde eine kürzere Version bevorzugen, aber der Film hat außer einer krassen Story auch wahnsinnig beeindruckende Bilder. Schlecht ist "Estamira" nicht!
Brasilien ist nicht nur Paradies sondern für einige Millionen Menschen schlicht und ergreifend die Hölle auf Erden. Missbrauch und Armut sind nur zwei Probleme in diesem Land und sie sind keinesfalls unsichtbar. Ich bezweifel, dass alle Mädchen die am Strand von Copacabana Freier suchen volljährig sind und selbst unser Portier durchsucht den Hausmüll nach Holz, Blech oder Papier das er an Straßenhändler verkaufen und sich so ein paar Reais dazu verdienen kann.
Montag, August 28, 2006
DAS ZWEITE GESICHT
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