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Freitag, September 01, 2006

CRISTO REDENTOR

Am Donnerstag Morgen bin ich schon um 5:30 Uhr aufgestanden. Dirk, Robin und ich wollten auf den Corcovado und wir wollten die ersten dort oben sein, denn die Taxis und Bahnen würden ab 8:00 Uhr den Berg mit Touristen überfluten. Dazu kommt, dass der Smog über Rio morgens noch am Geringsten und die Aussicht somit am Besten ist.

Es gibt unzählige Wege auf den Corcovado, aber wo viele Touristen durch den Wald laufen warten auch gern einmal Ganoven. Wir hatten uns für die anspruchsvolle Tour fernab von Touristen und Favelas entschieden (Geheimtipp eines Freundes). Der Pfad beginnt im Parque Lage, einem kleinen Park mit einem alten Herrenhaus hier an der Lagoa (Snoop Doggy Dog hat dort einen Teil seines "Beautiful"-Videos mit Pharrell gedreht).

Da wir unserem Zeitplan hinterher hinkten war das Tempo von Anfang an ziemlich sportlich. Viel zu sportlich für einen noch nicht so richtig aklimatisierten Rainer. Das sollte sich in den nächsten anderthalb Stunden bitter rächen. Extremes Herzrasen und stechende Schmerzen im ganzen Körper. Mein Klettern wurde immer mehr zum Krabbeln und auf zehn Metern verlor ich mindestens zwei auf meine Weggefährten, die nach wie vor jeden Felsbrocken mit einem großen Schritt überwinden konnten (haben auch wesentlich längere Beine als ich).
Der Weg endet ungefähr 500 Meter vor dem Gipfel an den Gleisen der Zahnradbahn, denen man bis oben folgen muss. Die Holzschwellen machten mich endgültig fertig, da sie für mich zu weit auseinander lagen. Als dann um viertel vor acht das erste Taxi die Straße hochfuhr war die Planerfüllung in Gefahr und das Tempo musste weiter erhöht werden. Ich war selten so schwarz (oder ich kann mich nicht mehr daran erinnern) und hab keine Ahnung wie ich die letzten Treppen zum Cristo geschafft hab.

Aber es hat sich gelohnt. All die Strapazen waren schlagartig vergessen als zwischen den Bäumen plötzlich Christus der Erlöser vor uns auftauchte. Der permanente Lärm Rios, die vielen Vögel, das Meer, nichts von all dem war mehr zu hören.
Die Aussicht über die Stadt und die Bucht in der Rio liegt ist sensationell und das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich auf dem Corcovado war.
Leider hab ich das Fotografieren völlig verrafft, nur ein einziges Foto war noch zu retten.



Beim Abstieg konnten wir dann so richtig die Landschaft genießen. Das obere Stück geht direkt am Fels entlang (es gibt dort Stahlseile an denen man sich festhalten kann), die unteren zwei Drittel führen über Felsbrocken an Wasserfällen und Baumriesen vorbei durch den Dschungel. Haben uns von Liane zu Liane geschwungen und mit Sicherheit einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Nach nem abschließenden Kaffee im Parque Lage bin ich dann mit dem Bus vorbei am Zuckerhut, den Stränden von Botafogo und Flamengo zu meinem Siebdruck-Workshop an die Uni. Was für ein Start in den Tag!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wow, das klingt echt cool!
Da kann man echt neidisch werden.

Aber von Liane zu Liane geschwungen ? Ich glaube da übertreibst du ein (klitze kleines) wenig.

Einerseits willst du die sicher noch vorhandene Wampe in Rekordzeit auf den Berg geschleppt haben, dabei sogar die letzten Stufen nicht mehr, oder nur noch in komatischem Zustand wahrgenommmen haben, aber andererseits dann wieder per Tarzan durch den Tschungel?
Bleib mal realistisch! ;-)

Aber ansonsten... - mein Weg zu Arbeit ist weit unspektakulärer !

Lass es dir gut gehen!
(Als ob ich daran zweifeln würde...)

Gruß Stfn

hat gesagt…

aber wirklich. meinen täglichen weg zur schule werd ich bestimmt irgendwann vermissen.
man kommt so wahnsinnig entspannt an, wenn man morgens am meer entlang fährt und hübsche brasilianerinnen an einem vorbei joggen.