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Dienstag, September 19, 2006

A ESCOLA SUPERIOR

Nachdem ich mich freitags von Franz Ferdinand erholen musste war ich am Samstag mit meinen Mitbewohnern und einigen ihrer Freunde schon wieder auf einem Konzert in Lapa. Diesmal aber nicht in der großen Fundicao sondern im kleineren Circo Voador, einem zweistöckigen Kuppelgebäude mit Palmengarten direkt neben der Fundicao. Monobloco machen eine Art brasilianischen Hip Hop mit starkem Samba-Einfluss. Zwanzig Trommler sorgten mit Samba-Rhythmen für richtig satten Sound. Ergänzt wurde das Ganze mit einem Typen an der E-Ukulele und drei MCs. Ich hab zwar nicht einen Satz verstanden war aber trotzdem restlos begeistert. Very Nice!


Wenn ich hier hauptsächlich über private Aktivitäten berichte ist der Grund weniger quantitativer sondern eher qualitativer Natur. Ich möchte nicht sagen, dass Brasilianer generell schlechtere Designer sind oder ich in Rio nichts lernen kann, aber an der ESDI geht derzeit wirklich nicht viel. Die Hälfte der Kurse (darunter Schriftgestaltung und das Microsoft-Projekt) findet entweder zeitversetzt oder gar nicht statt und die wenigen attraktiven Angebote überschneiden sich zeitlich.

Aber das Hauptproblem sind für mich nicht die schlechte Organisation oder die Lehrer, die unprofessionelle Haltung der Studenten ist viel schlimmer. Die Jungs und Mädchen meiner Magazin Redesign-Gruppe zum Beispiel sind zwar allesamt nett aber andererseit auch unfleißig und schlecht. Das Format unseres neuen Magazins wurde vor meiner Ankunft entschieden und mit "Man kann es gut aus DIN A4 ausschneiden" begründet. Für die Wortmarke von "Gestual" verwendeten sie Brush Script in Kombination mit Univers oder Futura. Sie sind im 6. Semester aber erkennen nicht einmal die Helvetica, haben wahrscheinlich noch nie ein Raster gemacht, behaupten Querformat sei eleganter und wollen Mengentext rechtbündig oder im Formsatz setzen. Ich weiss wirklich nicht was ich mit ihnen anfangen soll. Das Wenige, das sie tun ist nicht einfach nur anderst sondern schlicht und ergreifend schlecht! Sie wählen schlimme Bilder aus und können selbst aus meinen offenen Dateien nichts auch nur halbwegs erträgliches produzieren. Das hab ich mir wirklich anderst vorgestellt.

Abseits von Gestaltung gibt es auch Positives von der Schule zu berichten. Der Siebdruck-Kurs macht, wenn er denn stattfindet, richtig Spass und wenn alles klappt produziere ich übermorgen meine ersten Shirts. Von Mestre Milton (der Siebdruck unterrichtet) hab ich auch den Auftrag für die Gestaltung eines Tattoos bekommen, das er sich dann stechen lassen will. Ich würd mir ganz bestimmt keinen Drachen tätowieren lassen, aber der Gedanke, dass er mit meinem Design auf dem Oberarm durchs Leben geht gefällt mir irgendwie. Vielleicht sollte ich die Zielgruppe wechseln ...

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Naja, ich würde aber auch nicht mit dem Drachen rumlaufen. Nix gegen dich, ich mag Drachen-Tatoos auch so nicht :-)
Trotzdem witzig dass er mit deinem Drachen rumrennt! :-)