Donnerstag, Oktober 05, 2006

MARACANÃ


Gestern hab ich mir einen Kindheitstraum erfüllt. Ich war im weltgrößten Fußballstadion, dem Estádio Mário Filho, besser bekannt als Maracanã-Stadion.
Mit von der Partie waren Lili (Ex-Gmuender), Jule (Ex-Gmuender), Dennis (Jules Freund) und Robin (Ex-Gmuender). Alex, ein Freund der WG, der auch bei Monobloco dabei war, haben wir vor dem Stadion getroffen.


Ursprünglich fasste das Stadion 220.000 Menschen aber da noch bis November für die Panamerika Spiele umgebaut wird dürfen derzeit nur 44.000 Fans rein (die unteren Ränge sind komplett gesperrt). Im Juli 1950 sahen hier 199.854 Zuschauer das WM-Finale zwischen Brasilien und Uruguay, aber die Freude über den neuen Weltrekord währte nur kurz; Brasilien verlor überraschend. Ein ganz schwarzer Tag für Brasilien.


Das Stadtderby zwischen Flamengo und Fluminense (Rio hat insgesamt vier Clubs in der ersten Liga) war ein vortrefflicher Anlass. Da Flamengo seinen Hauptsitz hier an der Lagoa hat, die Fans zahlreicher waren und wesentlich euphorischer sind haben wir uns trotz der geringeren Siegchancen auf ihre Seite geschlagen. Eine wahnsinns Stimmung! Selbst als Fluminense nach circa 10 Minuten das von allen befürchtete schnelle Tor machte (Dudu hatte einen klaren Sieg von Fluminense prognostiziert) wurde es nicht leiser. Und das war gut so. Flamengo schaffte im direkten Gegenzug den Ausgleich und rettete sich mit dem Unentschieden sogar in die Pause.


Was in der zweiten Halbzeit passierte kann wahrscheinlich bis heute niemand richtig glauben. Flamengo spielte in unsere Richtung, war von Anfang an wesentlich aggressiver und entwickelte enormen Druck. Nach einer viertel Stunde gelang ihnen der überraschende aber hochverdiente Führungstreffer. Fünf Minuten später erhöhten sie auf 3:1 und als in der 80. Minute sogar das 4:1 fiel gab es kein halten mehr. Jesus!


Bei der Stimmung war es völlig egal, dass die Partie nicht einmal Zweitliga-Niveau hatte. Aber was will man auch in einem Land erwarten das jedes Jahr circa 800 Fußballer exportiert! Da bleiben nur alte, schwache und ein paar ganz junge Spieler übrig. Ein wahnsinns Erlebnis war es trotzdem. Wenn die Qualifikation zur Südamerika Meisterschaft los geht will ich auf jeden Fall ein Spiel der Nationalmannschaft sehen. Wenn möglich nach dem Umbau, mit 94.999 anderen Brasilien-Fans!


Hab auch ein Video auf YouTube (Links, rechts) hochgeladen, das ihr auch hier unten sehen könnt. Mehr Bilder auf meiner Flickr-Seite!

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THE ROOF IS ON FIRE


Flamengo 4 : 1 Fluminense

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Montag, Oktober 02, 2006

PT BRASIL


In den bisherigen sieben Wochen hab ich immer wieder mal über den brasilianischen Wahlkampf geschmunzelt. Da hier scheinbar das Plakatieren verboten und Personal billig ist saßen überall in Rio Wahlhelfer an den Straßen und bewachten irgendwelche Fahnen, Banner oder Transparente, die neben ihren farblich abgestimmten Klappstühlen im Boden steckten. Sie saßen den ganzen Tag lang nur da und taten einfach gar nichts. Auch eine Methode um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

Wahlkampflieder kamen in Rio eher selten vor (auf dem Land sind sie angeblich öfter zu hören). Ähnlich wie in Weißrussland oder Estland werden in den Pop-Songs die Wahlmänner verehrt und jedem Hörer die Wahlnummern eingetrichert. Am häufigsten hörte ich diese lauten Ohrwürmer in Lapa direkt vor dem Eingang der ESDI. Bei mir hat's funktioniert - das geht mir bestimmt nicht so schnell aus dem Kopf. Indio Da Costa, der Sohn des gleichnamigen Designers hat zum Beispiel die 2511. Doch am gestrigen Sonntag drohte der ganze Spass mit den Präsidentschaftswahlen zu enden.

Im Land von Ordem e Progresso (Ordnung und Forschritt) läuft die Wahl natürlich völlig digital ab. Somit steht das amtliche Endergebnis trotz der enorm großen Bevölkerung und der Weite des Landes noch am gleichen Abend fest (Kritiker behaupten es stünde sogar schon vor der Wahl fest, aber dafür gibt es keine Beweise).

Bis vor wenigen Tagen sah es nach einem ganz klaren Sieg für Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva von der Arbeiterpartei PT aus. Seine Verstrickung in mehrere Affären kostete ihn aber in letzter Minute die absolute Mehrheit des ersten Wahlgangs (48,79%) und zwingt ihn zu einer Stichwahl gegen seinen größten Gegner Geraldo Alckmin (41,43%) von der PSDB.

Schmutzkampagnen gegen die Opposition, Diebstahl, Unterschlagungen, Betrug; jede Woche gab es in den Zeitungen Neuigkeiten von Lula und seiner Partei. Eine Bestrafung der "Täter" gab es nie, ganz im Gegenteil: alle standen zur Wahl als ob nie etwas passiert wäre und die wenigsten Brasilianer stören sich daran.

Lulas Karriere ist bemerkenswert. Er arbeitete sich von einem einfachen Schuhputzer aus dem Nordosten zuerst zum Metallgewerkschafter und Streikführer hoch bevor er dann vor vier Jahren Präsident Brasiliens wurde. Der Großteil seiner Wähler sind eher arme, weniger gebildete Menschen, die er mit seiner einfachen (Redens-)Art und seiner Herkunft gewinnen kann. Dabei kam ihm gestern auch die Politikverdrossenheit vieler Brasilianer entgegen. Da jeder weiss, dass Politiker korrupt sind wählt man lieber einen aus den eigenen Reihen...

Auch wenn Lula einige seiner ehrgeizigen Ziele verfehlte bewerten vorallem internationale Finanzexperten seine Regierungszeit als Erfolg. Dafür stehen ein strikter Stabilitätskurs, Rekordgewinne der Banken, vervierfachte Börsenkurse in São Paulo und ein im Vergleich zu 2002 doppelter Wert der Landeswährung Real gegenüber dem Dollar.

Für mich ist es trotzdem ein Rätsel wie jemand, der so viele Versprechen gebrochen, Menschen enttäuscht und Vertrauen missbraucht hat, die absolute Mehrheit nur knapp verfehlen kann. Aber es sind eben auch die Widersprüche die dieses Land (und seinen Reiz) ausmachen!

Die Stichwahlen Ende dieses Monats versprechen auf jeden Fall spannend zu werden. Diesen Sonntag gingen trotz der Wahlpflicht über zwanzig Millionen Menschen nicht zur Abstimmung und fast sechs Millionen Menschen enthielten sich der Stimme. Das sind immerhin zwanzig Prozent, die noch zu vergeben sind. Und der Wahlkampf auf den Straßen Rios geht weiter!

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Donnerstag, September 28, 2006

AUSZEIT


Bin derzeit gesundheitlich leicht angeschlagen und hab deshalb alle Aktivitäten hinten angestellt oder verschoben. Hoffe mit Disziplin und Vitaminen bald wieder fit zu sein (Lloyd Pranks gibt übermorgen seinen Abschied).

Im Kino war ich nur noch ein mal aber Black Dahlia hat sich trotz Scarlett Johanson als absoluter Flop entpuppt. Anyway, es kann nicht nur Volltreffer geben. Am Wochenende warten Tsotsi, Daft Punk Electroma, Three Needles, Land of Plenty, u.v.a.

Ab nächster Woche wird an der ESDI zur Abwechslung mal wieder gestreikt. Schade, aber langweilig wird mir hier bestimmt nicht so schnell.

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Sonntag, September 24, 2006

INT. FILMFESTSPIELE VON RIO

Vorgestern haben die Internationalen Filmfestspiele von Rio de Janeiro begonnen. Da ich aber Freitag auf der ESDI Choppada war (nichts besonderes) fing das Festival do Rio 2006 für mich erst gestern an.


Der erste Film hieß Sketches of Frank Gehry. Sydney Pollack, amerikanischer Schauspieler (Eyes Wide Shut), Regisseur (Out of Africa) und ein langjähriger Freund Gehrys, ermöglicht interessante Einblicke in die Arbeitsweise, das Umfeld und das Leben des weltberühmten Architekten der übrigens auch schon mit Anish Kapoor (siehe TWISTER) zusammenarbeitete.


Ganz neutral ist Pollack als Freund zwar nicht, aber es gibt auch ein oder zwei kritischere Fragen. Und natürlich auch jede Menge imposante Bilder von Gebäuden oder richtig abgefahrenen Modellen. Zu Gehrys berühmtesten Werken gehören mit Sicherheit das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, das Tanzende Haus in Prag und die DZ Bank in Berlin. Sehr schöne Doku über einen der größten Architekten unserer Zeit. Für Gestalter/Architekten ist dieser Film fast schon ein Muss.



Der zweite Film hieß Salvador, kommt aus Spanien und spielt Anfang der Siebziger Jahre. Die Hauprolle des spanischen Anarchisten Salvador Puig Antich spielt Daniel Brühl (in Barcelona geboren spricht er fließend Spanisch und Catalan).


Salvador war oft Fahrer bei Aktionen einer Gruppe, die meistens Banken ausraubten und mit der Beute Flugblätter finanzierte oder streikende Arbeiter und inhaftierte Mitglieder unterstützte.


Die Gruppe bewegte sich im Untergrund und hielt sich oft in Frankreich auf, wo sie mit ehemals militanten Anhängern einer anarchistischen Gewerkschaft in Verbindung standen. Als die Polizei Salvador eines Tages eine Falle stellte kam es zum Schusswechsel. Er erlitt mehrere Einschüsse in Kopf und Brust, überlebte aber im Gegensatz zu einem Guardia-Civil Beamten.


Das Urteil wurde von einem Kriegsgericht gefällt und war geprägt vom Rachedurst des Regimes nach dem ETA-Attentat auf den Regierungschef und persönlichen Vertrauten Francos, Luis Carrero. Obwohl Indizien darauf hinwiesen, dass der tödliche Schuss nicht aus seiner Waffe kam, wurde Salvador 1974 wegen Mordes an einem Polizisten zum Tode durch die Garrotte (dem Opfer wurde von hinten langsam eine Metallschraube ins Genick gebohrt bis es langsam erstickte) verurteilt.


Der Film wird am Ende ziemlich hart. Die Frauen im Publikum sahen anschließend so verheult aus, dass man meinen konnte sie wären selbst gefoltert worden. Trotzdem gab's abschließend viel Applaus für einen unterhaltsamen Film über ein dunkles und nur selten betrachtetes Kapitel europäischer Geschichte.



A Grande Final (The Great Match) war der letzte Film meines ersten Festival-Tages. Betrachtet wurden vier Jäger in der Mongolei, vier Indianer in der Amazonas-Region und fünf Tuaregs in der Ténéré. Alle haben etwas gemeinsam: Die Liebe zum Fußball und den Wunsch irgendwo im Fernseher (Strom war dabei das größte Problem) das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 zwischen Brasilien und Deutschland zu sehen.


Nachdem Sketches of Frank Gehry auf Englisch war, Salvador mit Englisch, Spanisch (in den katalan gesprochenen Teilen) und Portugiesisch bis zu drei unterschiedliche Untertitel hatte (es gab sogar eine zusätzliche Leinwand nur für Untertitel) war A Grande Final mit nur einer Sprache etwas dünn besetzt. Kein wirklich großer Film, aber eine stellenweise sehr lustige Liebeserklärung an den Fußball. Und mehr hätt ich eh nicht mehr gepackt.

Heute (Sonntag) setzt ich aus. Aber morgen geht's dann wieder mit den nächsten Filmen weiter. Der Eintrag LANGES WOCHENENDE wurde übrigens um die mittlerweile eingetroffenen Bilder ergänzt. Check that out and stay tuned!

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Dienstag, September 19, 2006

A ESCOLA SUPERIOR

Nachdem ich mich freitags von Franz Ferdinand erholen musste war ich am Samstag mit meinen Mitbewohnern und einigen ihrer Freunde schon wieder auf einem Konzert in Lapa. Diesmal aber nicht in der großen Fundicao sondern im kleineren Circo Voador, einem zweistöckigen Kuppelgebäude mit Palmengarten direkt neben der Fundicao. Monobloco machen eine Art brasilianischen Hip Hop mit starkem Samba-Einfluss. Zwanzig Trommler sorgten mit Samba-Rhythmen für richtig satten Sound. Ergänzt wurde das Ganze mit einem Typen an der E-Ukulele und drei MCs. Ich hab zwar nicht einen Satz verstanden war aber trotzdem restlos begeistert. Very Nice!


Wenn ich hier hauptsächlich über private Aktivitäten berichte ist der Grund weniger quantitativer sondern eher qualitativer Natur. Ich möchte nicht sagen, dass Brasilianer generell schlechtere Designer sind oder ich in Rio nichts lernen kann, aber an der ESDI geht derzeit wirklich nicht viel. Die Hälfte der Kurse (darunter Schriftgestaltung und das Microsoft-Projekt) findet entweder zeitversetzt oder gar nicht statt und die wenigen attraktiven Angebote überschneiden sich zeitlich.

Aber das Hauptproblem sind für mich nicht die schlechte Organisation oder die Lehrer, die unprofessionelle Haltung der Studenten ist viel schlimmer. Die Jungs und Mädchen meiner Magazin Redesign-Gruppe zum Beispiel sind zwar allesamt nett aber andererseit auch unfleißig und schlecht. Das Format unseres neuen Magazins wurde vor meiner Ankunft entschieden und mit "Man kann es gut aus DIN A4 ausschneiden" begründet. Für die Wortmarke von "Gestual" verwendeten sie Brush Script in Kombination mit Univers oder Futura. Sie sind im 6. Semester aber erkennen nicht einmal die Helvetica, haben wahrscheinlich noch nie ein Raster gemacht, behaupten Querformat sei eleganter und wollen Mengentext rechtbündig oder im Formsatz setzen. Ich weiss wirklich nicht was ich mit ihnen anfangen soll. Das Wenige, das sie tun ist nicht einfach nur anderst sondern schlicht und ergreifend schlecht! Sie wählen schlimme Bilder aus und können selbst aus meinen offenen Dateien nichts auch nur halbwegs erträgliches produzieren. Das hab ich mir wirklich anderst vorgestellt.

Abseits von Gestaltung gibt es auch Positives von der Schule zu berichten. Der Siebdruck-Kurs macht, wenn er denn stattfindet, richtig Spass und wenn alles klappt produziere ich übermorgen meine ersten Shirts. Von Mestre Milton (der Siebdruck unterrichtet) hab ich auch den Auftrag für die Gestaltung eines Tattoos bekommen, das er sich dann stechen lassen will. Ich würd mir ganz bestimmt keinen Drachen tätowieren lassen, aber der Gedanke, dass er mit meinem Design auf dem Oberarm durchs Leben geht gefällt mir irgendwie. Vielleicht sollte ich die Zielgruppe wechseln ...

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Freitag, September 15, 2006

ALLE LIEBEN FRANZ


Gestern Nacht war das angekündigte Franz Ferdinand Konzert. Und es war wirklich der prognostizierte Knüller! Die Fundicao Progresso, eine ehemalige Gießerei mitten in Lapa ist eine perfekte Location für Konzerte dieser Art.


Der Raum für die Zuschauer teilt sich auf verschiedene Ebenen auf. Es gibt einen großen Bereich direkt vor der Bühne, der nach hinten leicht ansteigt und eine riesige Empore mit neun treppenartigen Ebenen. Man hat selbst als kleiner Mann von fast überall eine gute Sicht auf die Bühne und die Band steht direkt vor einer riesigen Wand aus Zuschauern.


Die Cariocas waren trotz fehlender Vorband so heiß auf das Konzert, dass es nach dem zweiten Lied aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden musste (kurze Umbau Maßnahmen am Konzertgraben).




Eine solche Stimmung hab ich noch auf keinem Konzert erlebt. Der reinste Hexenkessel. Es war so heiß in diesem Betonklotz dass selbst die Wassersprenkler an der Decke kaum etwas zur Kühlung beitragen konnten (wir hatten schon die ganze Woche über 30°C). Mehr Bilder und sogar vier Videos gibt's wie immer auf Murks Blog.


Irgendwie haben wir uns alle in den Gängen und Ebenen der Fundicao verloren und während draußen auf den Straßen von Lapa noch gefeiert wurde hab ich den Heimweg angetreten. Dieses Konzert wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

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Montag, September 11, 2006

LANGES WOCHENENDE

Da am letzten Donnerstag Unabhängigkeitstag war, gab's ein richtig langes Wochenende (Freitags war fast alles zu). Den Donnerstag über hab ich die ganze Zeit gearbeitet, spannender wurde es erst Freitags.


Sind abends zuerst in den Cobal und anschließend in die Casa da Matriz, ein altes Wohnhaus im Stadtteil Botafogo, das zu einer ganz netten Party Location umgebaut wurde. Die Raumaufteilung ist noch im Origninalzustand, aber die Wände sind je nach Zimmer unterschiedlich gestaltet (teilweise sehr geile Streetart). Außer den beiden Tanzräumen gibt es im oberen Stock auch ein Atari-Zimmer mit drei Automaten und einen kleinen Laden, indem man coole Shirts oder irgendwelchen Kram (Kaugummis, Zigaretten, Papers, etc) kaufen kann. Nice!

Vicente (Grafikdesigner aus Sao Paulo) und Giselle (seine Freundin), die uns von Dienstag bis Sonntag besuchten waren auch dabei. Mit den beiden konnte man aber nicht nur gut feiern sondern auch mal stundenlang über das Leben, Brasilien, den aktuellen Wahlkampf in Brasilien und die Rolle der Kirche darin diskutieren. Sehr angenehm, hatt ich ein bißchen vermisst. Vicente hat jede Menge aufschlussreiche Hintergrund Informationen. Ich hab mich zum Beispiel immer gefragt, warum die Busfahrer in Rio wie die Idioten und ohne Rücksicht auf Verluste durch die Stadt rasen. Die Lösung: Fahrer haben eine Route, die sie bspw fünf mal fahren müssen. Je früher sie damit fertig sind, desto früher haben sie Feierabend. Einen Fahrplan gibt es in Rio ohnehin nicht, da kann man auch mal mit 80 durch die Stadt heizen (bei dem Verkehr und den Straßen ist das viel)!

Samstags war ich dann mit Aline, Giselle, Robin und Vicente in Prainha, einer kleinen Bucht süd-westlich von Barra (Stadtteil von Rio). Ein richtig geiler Strand mit vielen Surfern und hübschen Brasilianerinnen.


Außer einem kleinen Restaurant (das hervorragenden Fisch vor Ort fängt, grillt und serviert) ist weit und breit nur Himmel, Meer, Strand, Fels und Dschungel zu sehen. Kein Lärm, keine Häuser. Sehr geil!



Sind nach ausgiebigem Sonnenbad und dem Fisch zurück in die Stadt und auf direktem Weg (mit dem Auto) auf den Corcovado. Die Aussicht vom Cristo ist bei Dunkelheit fast noch beeindruckender.



Das unendliche Lichtermeer der Stadt, die vielen Autos, der angestrahlte Pao de Acucar (Zuckerhut) und die Lagoa mit der Pferderennbahn, den vielen Sportplätzen und Ipanema/Leblon im Hintergrund. Ich liebe diesen Platz!


Kaum waren die Paulistas am Sonntag Mittag weg kam Dudus ganze Familie zum großen Churrasco. Gigantische Mengen Fleisch, jede Menge Bier, eine Stereoanlage und zwanzig Brasilianer (darunter auch acht kleine Kinder) ergeben ein verrücktes Fest, das wirklich gar nichts mit den mir bekannten Familienfeiern gemeinsam hat. Ein sehr amüsanter Ausklang für ein gutes Wochenende.

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Donnerstag, September 07, 2006

DEUTSCHES WETTER



Zeit mal wieder etwas zu bloggen. Das Wetter war die letzten vier Tage richtig deutsch. Zwölf bis Fünfzehn Grad Celsius und Dauerregen, genau das Wetter vor dem ich eigentlich flüchten wollte. Die Gebäude hier sind auch nicht gerade für diese Temperaturen geeignet. Rund um meine Balkontüre ist eine 5 Milimeter breite Fuge durch die der Wind direkt in meinen Rücken bläst, yeah. Trotz der leckeren Gemüsesuppe, die Herr Maus gestern für uns gekocht hat, hab ich jetzt ne ordentliche Erkältung.

Der gute Murk muss sich jetzt keine Gedanken mehr ums Wetter machen. Erstens ist seine Freundin zu Besuch und zweitens ist er ständig von warmen Gedanken umgeben. Nach dem Vorfall auf der Party neulich fotografieren ihn jetzt schon Männer auf der Straße und selbst Rocky, Andis Hund, will nur noch ihn rammeln. Ob das wohl mit seinem Besuch des Posto 8 (Schwulenstrand von Ipanema) letzte Woche zusammenhängt?

Ein Bild nur für Dich. Ohne Dich wär selbst Rio nicht so lustig!

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Samstag, September 02, 2006

FAREWELL


Am Freitag war Dirks und Francois Farewell-Party hier bei uns in der Bogari-WG. Nachdem wir die ganze Woche eigentlich ganz gutes Wetter hatten, regente es an diesem Abend immer wieder. Echt schade, denn die beiden haben sich mächtig ins Zeug gelegt.


Es gab Churrasco für alle, jede Menge Cachaca, Erdbeeren oder Limetten für Caipirinhas und Bier bis zum Abwinken. Eine Telefonzelle (ohne Telefon) wurde mit Eis gefüllt und diente im Pool schwimmend als Bier-Kühlschrank. Ergänzt wurde der Pool mit einem Sack voll Blütenblätter und zwanzig Kilogramm Trockeneis. Ein Beamer projizierte den ganzen Abend lang riesige Fotos und Videos auf das Haus nebenan.



Die meißten Gäste waren Kollegen von Indio Da Costa, wo die beiden ein Praktikum gemacht hatten oder irgendwelche Franzosen aus Francois WG in Catete. Das restliche Drittel bestand aus Österreichern, Schweizern, Deutschen, Russen und Brasilianern. Die Freunde des Hauses (Fernanda & Co) hatten auch noch ordentlich Verstärkung mitgebracht. Alles in allem war's ein ganz netter Haufen.






Durch den Regen wurde unser Holzdeck sauglatt was einige wirklich komische Momente produzierte (Sorry Murk, ich hoffe dein Arm ist gut verheilt). Um fünf Uhr morgens kamen dann noch eine handvoll besoffener Franzosen die sich prompt in den Pool warfen und selbst um halb acht morgens nur widerwillig und unter lauten Protesten das Haus verliesen. Freu mich schon auf die nächste Party, genügend Alkohl ist dank der Gäste auf jeden Fall noch im Haus.

Mehr Bilder gibt's auf meiner Flickr-Seite (My Flickr - Links Rechts) oder auf Murks Blog
!

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Freitag, September 01, 2006

CRISTO REDENTOR

Am Donnerstag Morgen bin ich schon um 5:30 Uhr aufgestanden. Dirk, Robin und ich wollten auf den Corcovado und wir wollten die ersten dort oben sein, denn die Taxis und Bahnen würden ab 8:00 Uhr den Berg mit Touristen überfluten. Dazu kommt, dass der Smog über Rio morgens noch am Geringsten und die Aussicht somit am Besten ist.

Es gibt unzählige Wege auf den Corcovado, aber wo viele Touristen durch den Wald laufen warten auch gern einmal Ganoven. Wir hatten uns für die anspruchsvolle Tour fernab von Touristen und Favelas entschieden (Geheimtipp eines Freundes). Der Pfad beginnt im Parque Lage, einem kleinen Park mit einem alten Herrenhaus hier an der Lagoa (Snoop Doggy Dog hat dort einen Teil seines "Beautiful"-Videos mit Pharrell gedreht).

Da wir unserem Zeitplan hinterher hinkten war das Tempo von Anfang an ziemlich sportlich. Viel zu sportlich für einen noch nicht so richtig aklimatisierten Rainer. Das sollte sich in den nächsten anderthalb Stunden bitter rächen. Extremes Herzrasen und stechende Schmerzen im ganzen Körper. Mein Klettern wurde immer mehr zum Krabbeln und auf zehn Metern verlor ich mindestens zwei auf meine Weggefährten, die nach wie vor jeden Felsbrocken mit einem großen Schritt überwinden konnten (haben auch wesentlich längere Beine als ich).
Der Weg endet ungefähr 500 Meter vor dem Gipfel an den Gleisen der Zahnradbahn, denen man bis oben folgen muss. Die Holzschwellen machten mich endgültig fertig, da sie für mich zu weit auseinander lagen. Als dann um viertel vor acht das erste Taxi die Straße hochfuhr war die Planerfüllung in Gefahr und das Tempo musste weiter erhöht werden. Ich war selten so schwarz (oder ich kann mich nicht mehr daran erinnern) und hab keine Ahnung wie ich die letzten Treppen zum Cristo geschafft hab.

Aber es hat sich gelohnt. All die Strapazen waren schlagartig vergessen als zwischen den Bäumen plötzlich Christus der Erlöser vor uns auftauchte. Der permanente Lärm Rios, die vielen Vögel, das Meer, nichts von all dem war mehr zu hören.
Die Aussicht über die Stadt und die Bucht in der Rio liegt ist sensationell und das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich auf dem Corcovado war.
Leider hab ich das Fotografieren völlig verrafft, nur ein einziges Foto war noch zu retten.



Beim Abstieg konnten wir dann so richtig die Landschaft genießen. Das obere Stück geht direkt am Fels entlang (es gibt dort Stahlseile an denen man sich festhalten kann), die unteren zwei Drittel führen über Felsbrocken an Wasserfällen und Baumriesen vorbei durch den Dschungel. Haben uns von Liane zu Liane geschwungen und mit Sicherheit einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Nach nem abschließenden Kaffee im Parque Lage bin ich dann mit dem Bus vorbei am Zuckerhut, den Stränden von Botafogo und Flamengo zu meinem Siebdruck-Workshop an die Uni. Was für ein Start in den Tag!

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Donnerstag, August 31, 2006

TWISTER

Heute morgen war ich mit Dirk in einer Anish Kapoor-Ausstellung im Centro Cultural Banco do Brasil. Banken sind vielleicht nicht der beste Ausstellungsort, aber die war ganz nett (großes altes Gebäude, gut renoviert) und vorallem umsonst.
Anish Kapoor ist ein in Bombay geborener Engländer der hauptsächlich mit optischen Täuschungen arbeitet. Seine Arbeiten sind einfach erklärt, aber wenn man davor steht ist plötzlich gar nichts mehr so klar.


Bei diesem Objekt zum Beispiel handelt es sich um eine Halbkugel die fließend in die Wand übergeht und die selbe Struktur besitzt. Steht man aber direkt davor kommt das Gehirn (nicht nur das meinige) einfach nicht mehr mit. Man kann nichts fokusieren und definitiv keine Form ausmachen. Es geht einfach nicht!


Kapoor arbeitet auch viel mit hochglänzenden Oberflächen (an seiner Millenium-Bohne in Chicago wurde 5 Jahre lang nur poliert). Neben konvexen und konkaven Hohlspiegeln aus Stahl war auch diese Banane in der Ausstellung zu sehen. Hab echt lang gebraucht bis ich erkannt habe, dass sie vorne zum Großteil offen und innen hohl ist. Sieht auf dem Foto wesentlich leichter aus.

Es gab noch jede Menge anderes cooles Zeug (eine stehende Röhre die innen mit spiegelndem blauem Fieberglas verkleidet war; krasse Optics) aber das mit Abstand coolste war ein über dreißig Meter hoher künstlich erzeugter Tornado in einem runden Kuppelsaal. Sein Aussehen verändert sich ständig. Mal steht er wie eine massive Säule senkrecht im Raum, mal bildet sich ein weiterer Tornado in der Mitte des Großen, mal krümmert er sich oder bekommt so etwas wie ein Schraubengewinde an der Außenseite. Muss man mal gesehen haben!
In der Ausstellung war fotografieren streng verboten, aber Flickr sei Dank hab ich doch noch was von genau dieser Ausstellung gefunden.

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Montag, August 28, 2006

DAS ZWEITE GESICHT

Das Kino hier hat zwei entscheidende Vorteile. Erstens kostet es nicht einmal drei Euro Eintritt und zweitens werden alle ausländischen Filme in Orginialsprache mit Untertiteln (OmU) gezeigt. Wenn man sich die schlecht synchronisierten Filme im Fernsehen anschaut tut das auch Not. So kann meinereiner sogar bei den miesesten Blockbustern noch Vokabeln lernen. Die Filme die ich mir im Kino angeschaut habe waren jedoch brasilianisch und daher komplett ohne Untertitel. Anyway, gut für's Sprachverständnis ist es auf jeden Fall.

Der erste Film den ich mir angeschaut habe hies "Anjos do Sol" und handelt vom Kindesmissbrauch in Brasilien. Alle mit denen ich über den Film geredet hab, konnten die traurige Existenz solcher Fälle bestätigen. Und es sind vorallem im Norden Brasiliens nicht wenige.


Die kleine Maria wird von ihren Eltern verkauft und landet nach einer langen Reise schließlich in einem Kinderbordell irgendwo im Regenwald. Gewalt und mehrfacher Missbrauch stehen auf der Tagesordnung. Nachdem ihre erste Flucht misslingt wird ihre Komplizin vor den Augen der Dorfgemeinschaft (die von dem Etablisement regen Gebrauch macht) hinter einem Auto zu Tode geschleift. Die zweite Flucht gelingt und Maria schafft es als Anhalterin bis ins ferne Rio. Dort sucht sie Zuflucht bei einer Frau, die sie aber nach kurzer Eingewöhnungsphase ebenfalls auf den Kinderstrich schickt. Mit der erneuten Flucht endet der Film. Kein schöner und leider auch kein guter Film. Der Hintergrund ist abartig schrecklich und die Schauspieler mögen gut sein, aber das wars dann leider auch schon. Die Story ist platt erzählt und die Kamera einfallslos. Mag sein, dass das Budget sehr begrenzt war, aber das macht den Film auch nicht besser. Schade!


Der zweite Film hatte den Titel "Estamira". Ich hab ihn mir am Sonntag nach dem Opernbesuch quasi als Kontrastprogramm zu dem ganzen Glanz und Glamour angeschaut. Ich war irrsinnig gespannt auf den Film, schließlich hat er unzähligen Auszeichnungen erhalten. In dem Dokumentarfilm geht es um Menschen, die im Müll und vom Müll leben. Genauer gesagt geht es um eine alte Frau namens Estamira.


Estamira lebt auf einer Deponie in Rio de Janeiro. Tagsüber sammelt sie Plastikflaschen aus den frisch angelieferten Abfällen, nachts wärmt sie sich im Dreck liegend am Feuer der Schornsteine. Es gibt dort nur Müll, jede Menge Fliegen, Geier und ab und zu einen Kadaver (angelieferte Pferde oder einfach nur der Nachbar). Dazu kommt: Estamira ist geisteskrank.
Gerade noch der freundlichste Mensch der Deponie schneidet sie schon im nächsten Moment eine Fratze und brüllt wirres Zeug. Ihr Hass richtet sich dabei ausschließlich gegen Menschen, denn einen Gott - und da ist sie sich absolut sicher - gibt es nicht. Sie sieht in sich selbst eine Art Erlöser, größer als Jesus Christus und versucht die Menschen in ihrer Umgebung z bekehren. Andere Meinungen akzeptiert sie nicht, was immer wieder zum Streit mit ihren Kindern führt.
Der Film ist richtig hart. Die fremde Sprache und die Länge des Filmes (deutlich über den üblichen 90 Minuten) trugen auch dazu bei, dass ich irgendwann komplett den Faden verloren und das Ende regelrecht herbeigesehnt habe. Leider wiederholt sich einiges viel zu oft. Ich würde eine kürzere Version bevorzugen, aber der Film hat außer einer krassen Story auch wahnsinnig beeindruckende Bilder. Schlecht ist "Estamira" nicht!


Brasilien ist nicht nur Paradies sondern für einige Millionen Menschen schlicht und ergreifend die Hölle auf Erden. Missbrauch und Armut sind nur zwei Probleme in diesem Land und sie sind keinesfalls unsichtbar. Ich bezweifel, dass alle Mädchen die am Strand von Copacabana Freier suchen volljährig sind und selbst unser Portier durchsucht den Hausmüll nach Holz, Blech oder Papier das er an Straßenhändler verkaufen und sich so ein paar Reais dazu verdienen kann.

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Sonntag, August 27, 2006

MAHLEREI


Am Samstag war ich mit Dirk, Robin, Aline und Jordan an der Copacabana. Nachdem die Oper von Gustav Mahler schon zweimal wegen schlechten Wetters abgebrochen werden musste waren die Bedingungen an diesem Tag perfekt. Abends noch über 25 Grad, wenig Wind und nicht eine Wolke weit und breit.


Vierhundertzwölf Sänger/innen, zwei komplette Orchester, elf Leinwände und das alles direkt am Strand von Copacabana. Eintritt frei!

Haben das Bus-Geld (mal wieder) in Bier investiert und sind von der Lagoa in Humaita nach Copacabana gelaufen. Vor meiner Ankunft hier in Rio hätt ich das für unmöglich gehalten zumal die Gegend dazwischen nicht die allerbeste ist. Aber zu dritt kann man nicht nur durch Flamengo und Botafogo sondern scheinbar sogar durch Autotunnels laufen. Mir soll's recht sein.


Die Veranstaltung trug ganz klar den Stempel der Location. Anstatt Häppchen und Champagner gab's Popcorn (gesalzen oder mit Schokolade) und Bier aus der Dose. Dem entsprechend entspannt und legere war auch die Abendgarderobe (T-Shirt und Badehose anstatt Frack und Zylinder). Sehr angenehm.






Die Darbietung an sich würde ich spontan als beeindruckend beschreiben auch wenn ich den Inhalt nicht im Geringsten widergeben kann. Obwohl wir nach einer halben Stunde bemerkten, dass der Text scheinbar deutsch ist konnt ich nicht einen Satz verstehen. Da halfen auch die portugiesischen Untertitel auf den Leinwänden nicht weiter.

Die schlechte Bildqualität müsst ihr entschuldigen. Fotografieren bei Nacht ist ohne Stativ und Blitz wirklich nicht leicht. War trotzdem ne tolle Veranstaltung und selbst dem kleinen Jordan hat's gefallen.



Den geplanten Trip nach Niteroi und die Wanderung auf den Corcovado mussten wir übrigens wegen Bankterminen und zu viel Arbeit auf kommende Woche verschieben. Außerdem gilt es den Abschied von Dirk und die Deutschland-Reise von Kai zu feiern. Mehr dazu bald auf diesem Blog.

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Dienstag, August 22, 2006

FLEISCH IST MEIN GEMÜSE



Der Winter ist zurück in Rio de Janeiro. Nachdem die erste Woche für diese Jahreszeit viel zu warm war, hatten wir von Sonntag bis Dienstag ziemlich lausiges Wetter. Nicht dass es wirklich kalt gewesen wäre, aber 20 Grad sind bei dem frischen Wind und dem gelegentlichen Regen definitiv zu kalt zum schwimmen. War aber völlig egal. Rio hat auch ohne (hoch-)sommerliche Temperaturen einiges zu bieten.

Ich war samstags mit Marc zuerst am Strand von Ipanema, wo mangels Wellen kein großer Surf Contest stattfand und anschließend in Rio Sul, der größten Shopping-Mall.

Nach einem gemeinsamen Essen mit meinen Mitbewohnern (Dirk, Dudu, Kai, Robin) am späten Abend wollten wir eigentlich nicht mehr viel machen. Aber man saß ganz nett zusammen und drei, vier Erdbeer-Caipirinhas später beschlossen wir nachts um 02:00 Uhr doch noch nach Lapa zu fahren um dort Kais äußerst erfolgreichen Drehtag und Dirks Rückkehr aus Buenos Aires zu feiern.

Lapa ist am Wochenende nicht wieder zu erkennen. Ich geh jeden Tag über den Platz bis zu meiner Schule aber ich habe dort noch nie einen Menschen getroffen. An dem Abend war alles voller Menschen. Von den Balkonen drängte die laute Musik der Clubs auf den Platz und verwandelt alles in eine riesige Party.

Bestellt man in Lapa einen Caipirinha bekommt man einen großen (0,5l) und einen kleinen Becher (0,2l) randvoll mit hochprozentigem Alkohol, einer frischen Limone und ein bißchen Eis. Der ganze Spass kostet dann 3 Reais (ungefähr 1 Euro) und haut einen untrainierten Gringo nach der dritten Runde um. Das war dann fünf Stunden und x zwischenzeitliche Biers später. Anyway, ich hatte jede Menge Spaß! Hab viel getanzt (für meine Verhältnisse zumindest) und nette Leute kennengelernt.

Der Sonntag war dann sehr gediegen. Fernanda und Aline (Freunde des Hauses) sowie ihre beiden Kinder wurden eingeladen und trotz gelegentlichem Regen, auf unserer teil-überdachten Terrasse mein erstes Churrasco (brasilianisches BBQ) zelebriert.
Beim Churrasco werden Unmengen bestes Rindfleisch mit viel grobem Salz und Knoblauch gewürzt und anschließend gegrillt. Richtig gut. Der Mensch ist kein Beilagen-Esser.


Bild vom Fotoshooting siehe oben!

Da das große Klassik-Konzert an der Copacabana (irgendeine Sinfonie von Mahler mit über 400 Musikern) wegen besagtem Wetter verschoben werden musste gab's nach dem Nachtisch "nur" einen brasilianischen Kurzfilm über die Glücksspiel-Mafia von Rio und amerikanisches Pay-TV mit portugiesischen Untertiteln für alle.

Gut gefeiert und dann schön entspannt in die neue Woche, so muss es sein.

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Freitag, August 18, 2006

SCHULMÄDCHENREPORT



Meine erste Woche an der Escola Superior de Desenho Industrial (ESDI) ist so gut wie rum ohne dass wirklich etwas passiert wäre. Man muss hier schon sehr viel Geduld aufbringen, weil alles nur sehr langsam voran geht. Aklimatisierung war daher das höchste zu erreichende Ziel. Hab die ganze Woche lang an der Uni nichts anderes gemacht als mich den Professores und Professoras vorzustellen, Kurse anzutesten und mich an den Brazilian Way of Life zu gewöhnen. Erste Erkenntnis: Es bringt einfach nichts pünktlich um acht in der Schule zu sein, wenn die Lehrer erst um neun kommen und der Unterricht ohnehin nicht vor zehn Uhr anfängt. Eine halbe bis ganze Stunde Verspätung gilt hier angeblich sogar als höflich!

Da man in Brasilien schon mit frischen 17 die Fachhochschulreife erlangen kann sind die Studenten/innen allesamt blutjung (spätpubertäres Gekicher in den Schulhof-Ecken inklusive). Nicht alle sprechen englisch, aber man kommt relativ weit damit. Mal sehen wie sich das dann im Projekt-Alltag darstellt. Auch wenn ich heute ausnahmsweise eine hübsche Dolmetscherin zur Verfügung gestellt bekam, vom Unterricht bekomm ich mangels portugiesisch noch nicht viel mit. Ich bin jedoch recht zuversichtlich, dass sich das durch Keith, meinen neuen Sprachlehrer, schnell ändern wird. Die erste Stunde heute verlief auf jeden Fall vielversprechend.

So langsam gewöhn ich mich auch an die Grausamkeiten dieser Sprache. Zum Beispiel sprechen die Cariocas (Einwohner von Rio de Janeiro) das "R" am Anfang eines Wortes immer wie ein "H" aus, was mich folglich zum "Heiner" macht. ARGH! Ich dachte echt ich sei nach meinen Gastspielen in Thailand ("Aiä") und Südafrika ("Rhino") endlich in einem Land, wo mein Name zumindest halbwegs erträglich ausgesprochen wird. Tja, Denkste! Auch die Amerikanerinnen (Tiffany und Susan) nennen mich dank Murk mittlerweile "Rainder". Wenigstens hab ich mit Herrn Lappi und Hobin Leidensgenossen gefunden, der mit mir abends Hipi-Hopi hört (kein Scherz, heisst hier wirklich so!).

Sobald ich nicht mehr wie ein Gringo durch die Straßen stolper nehm ich auch die Kamera mal mit. So lange müsst ihr Euch noch mit fremdem Bildmaterial zufrieden geben. Die Berge, vorallem der Zuckerhut sind hier viel zu flach dargestellt, aber auf Wunsch kann ich die GoogleEarth Placemarks für eine bessere Darstellung auch als kmz-Datei zuschicken.

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Dienstag, August 15, 2006

WOCHENEND UND SONNENSCHEIN


Mein erstes Wochenende in Rio de Janeiro war richtig gut. Nachdem Marc und ich den Samstag am Strand von Ipanema verbrachten (YEAH!) ging's abends mit den Amerikanerinnen und der Hollandaise nach Catete auf die Party von Fischers Andi und seiner Freundin. Mussten sehr zeitig wieder aufbrechen, da ich erst einen Abend zuvor informiert wurde und bereits einer anderen Party zugesagt hatte.

Unser zweites Date des Abends hatten wir mit Bárbara, einer ehemalige Austausch-Studentin aus Rio. Ausrichter der Party im schönen Santa Teresa, dem Künstlerviertel von Rio, war Pedro Meyer, selbst begnadeter Künstler und Freund von Fabiola (Ex-Gmuenderin).
Die Location war nahezu perfekt. Ein wirklich schönes Haus und eine atemberaubende Aussicht über den Süden Rios mit dem Zuckerhut auf der einen und dem Corcovado (der Berg mit dem Jesus drauf) auf der anderen Seite. Es gab Alkohol ohne Ende - einen Barkeeper, der den ganzen Abend lang die besten Caipis machte und zwei riesige Fässer Bier, die selbst Marc nicht ganz leeren konnte. Da die meisten Gäste (überraschender Weise) Englisch konnten und der Alkohol in Strömen floss kam man sehr schnell mit fast allen Leuten ins Gespräch. Hab mich selten so prächtig auf einer Party amüsiert. Irgendwann um fünf oder sechs Uhr morgens, die Sonne ging schon auf, hat uns dann Luise (ebenfalls Ex-Gmuenderin) in die ESDI-WG gebracht, wo ich dann auch auf der Couch schlafen durfte.
Diese Party muss erst mal einer toppen. So kann's weitergehen. Mehr Bilder gibt's auf Murks Blog (siehe Links oder einfach direkt ins Bild klicken).

Der Sonntag war dann eher ruhig. Brasilianisches Bier macht nen höllischen Schädel, weshalb ich mich auf Pasta mit Robin und regungsloses Treiben im Pool beschränkte. Schließlich wollte ich an meinem ersten Schultag einen halbwegs anständigen Eindruck hinterlassen. Aber diese Geschichte erzähl ich Euch ein ander Mal.

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Freitag, August 11, 2006

IN RIO

Bin seit gestern in der "Cidade Maravilhosa". Der Trip war okay, aber ich empfehle jedem Besucher eher direkte Flüge. Nach 27 Stunden (Wartezeiten nicht mit einberechnet) und vier mal umsteigen plus fünf Stunden Zeitverschiebung ging gestern nicht mehr viel. Hab mich auf das Erkunden der WG und des Stadtteils Humaitá, in dem ich lebe beschränkt und den Tag bei nem gemütlichen Bier mit Murk Loppo am Pool ausklingen lassen. Heute geht's nach fleißigem Schwimm-Training erstmals in die Innenstadt, Universität und Strand begutachten. Ich hatte nicht mit so hohen Temperaturen (>30°C) gerechnet, schließlich ist hier Winter. Anyway, mir soll's Recht sein! Muss weg. Bilder folgen!

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Mittwoch, August 02, 2006

ENDE IN SICHT



Der Umzug ist vollbracht, die Wohnung übergeben und morgen ist mein letzter Tag im PT-Office Stuttgart. Nur noch sieben Tage bis Rio.

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