-->

Freitag, August 18, 2006

SCHULMÄDCHENREPORT



Meine erste Woche an der Escola Superior de Desenho Industrial (ESDI) ist so gut wie rum ohne dass wirklich etwas passiert wäre. Man muss hier schon sehr viel Geduld aufbringen, weil alles nur sehr langsam voran geht. Aklimatisierung war daher das höchste zu erreichende Ziel. Hab die ganze Woche lang an der Uni nichts anderes gemacht als mich den Professores und Professoras vorzustellen, Kurse anzutesten und mich an den Brazilian Way of Life zu gewöhnen. Erste Erkenntnis: Es bringt einfach nichts pünktlich um acht in der Schule zu sein, wenn die Lehrer erst um neun kommen und der Unterricht ohnehin nicht vor zehn Uhr anfängt. Eine halbe bis ganze Stunde Verspätung gilt hier angeblich sogar als höflich!

Da man in Brasilien schon mit frischen 17 die Fachhochschulreife erlangen kann sind die Studenten/innen allesamt blutjung (spätpubertäres Gekicher in den Schulhof-Ecken inklusive). Nicht alle sprechen englisch, aber man kommt relativ weit damit. Mal sehen wie sich das dann im Projekt-Alltag darstellt. Auch wenn ich heute ausnahmsweise eine hübsche Dolmetscherin zur Verfügung gestellt bekam, vom Unterricht bekomm ich mangels portugiesisch noch nicht viel mit. Ich bin jedoch recht zuversichtlich, dass sich das durch Keith, meinen neuen Sprachlehrer, schnell ändern wird. Die erste Stunde heute verlief auf jeden Fall vielversprechend.

So langsam gewöhn ich mich auch an die Grausamkeiten dieser Sprache. Zum Beispiel sprechen die Cariocas (Einwohner von Rio de Janeiro) das "R" am Anfang eines Wortes immer wie ein "H" aus, was mich folglich zum "Heiner" macht. ARGH! Ich dachte echt ich sei nach meinen Gastspielen in Thailand ("Aiä") und Südafrika ("Rhino") endlich in einem Land, wo mein Name zumindest halbwegs erträglich ausgesprochen wird. Tja, Denkste! Auch die Amerikanerinnen (Tiffany und Susan) nennen mich dank Murk mittlerweile "Rainder". Wenigstens hab ich mit Herrn Lappi und Hobin Leidensgenossen gefunden, der mit mir abends Hipi-Hopi hört (kein Scherz, heisst hier wirklich so!).

Sobald ich nicht mehr wie ein Gringo durch die Straßen stolper nehm ich auch die Kamera mal mit. So lange müsst ihr Euch noch mit fremdem Bildmaterial zufrieden geben. Die Berge, vorallem der Zuckerhut sind hier viel zu flach dargestellt, aber auf Wunsch kann ich die GoogleEarth Placemarks für eine bessere Darstellung auch als kmz-Datei zuschicken.