Der nächste Tag sollte schon der Höhepunkt der ersten Dreier-Steigerung werden, was uns angesichts der wenigen Höhenmeter auf dem Weg zum Lago di Tenno anfänglich noch skeptisch machte. Los ging es bei Fedrigoni - der großen Firma im Vordergund - einem der besten Papierhersteller weltweit (ich arbeite hauptsächlich mit ihren Papieren), den wir dort zufällig entdeckten.
Das mit der Skepsis war dann aber auch schon nach ner viertel Stunde vorbei. Verdammt, ich hab ja nichts gegen Olivenhaine und Teer ist bei steilen Anstiegen auch ganz nett, aber DAS war dann doch zu viel für meinen Geschmack. Ich bin schon einige steile Rampen gefahren, aber das war ne verf***te Wand. Ganz am Anfang einer Tour will man natürlich nicht gleich mit schieben anfangen auch wenn man die Kurbel gerade so noch rum kriegt und der Anstieg nicht enden will. Eine schlechte Idee wie sich noch zeigen sollte ...
Nach dem ersten Teil des Anstiegs beschloss ich die tollen Vorschläge des Moser zu ignorieren und ab sofort die Straße mit ihren relativ humanen Serpentinen zu nutzen. Nach ner Stunde war dann noch immer kein Ende in Sicht, aber Beithos Ratschläge ("Schalt doch mal leichter" - ich war schon ne Stunde im ersten Gang unterwegs) wurden immer leiser und wir erreichten endlich Pranzo.
Blick zurück Richtung Gardasee. Verdammt warum sieht das so flach aus?
Pranzo ist ein kleines Dorf auf dem Weg auf der Höhe von Tenno, leicht unterhalb unseres Tagesziels, dem Lago di Tenno. Da ich aber nicht wusste was uns dort oben (und schon gar nicht auf der Abfahrt) erwartet machte ich fleißigst Bilder von dem "ach so verschlafenen" Bergdörfchen... (mehr davon wie immer bei Flickr)
Und bevor ihr fragt: JA, ich wollte Zeit schinden um mich erholen zu können.
Der restliche Anstieg ging dann doch ganz gut. Der Berg wurde immer flacher und sooo lang wie Beitho beschrieben hatte zog sich die Strecke dann wieder nicht. Den eigentlichen Höhepunkt unserer Tour, den verführerisch smaragdgrünen Bergsee, müsst ihr euch jetzt denken. Da Fahrräder am See nicht erlaubt sind und wir keine Lust hatten großartig Pause zu machen fuhren wir nach kurzer Besichtigung aus der Ferne gleich weiter nach Canale di Tenno.
Dort angekommen wussten wir auch gleich, was es mit der komischen Wegbeschreibung auf sich hatte. "Durch erstes Tor durch, nach dem zweiten Tor links halten, durch den Tunnel durch und Anstieg nach rechts. Nach 10 Meter weiteres Tor, anschließend rechts halten..."!
Auch wenn wir einen Tag vor dem "Rustico Medioevo", dem jährlich stattfindenden Fest mit mittelaltericher Musik dort waren - die Idylle war auch so schon fast perfekt. Mal abgesehen von ein, zwei Regenrinnen hat sich in Canale in den letzten 500 Jahren auf den ersten Blick nichts verändert.
Ganz hübsch und idylllisch, aber die Belohnung für stundenlanges Bergauffahren wartete in Form einer ewig langen Serpentinen-Abfahrt vorbei an der Burg von Tenno direkt nach Riva del Garda.
Der letzte Anstieg des Tages hinauf nach Nago und die finale Abfahrt blieben fotografisch undokumentiert. Vielleicht auch besser so. Das war mit Sicherheit mein schwächster Tag und Beitho wurde nachdem ich schon zu Beginn ganz offensichtlich Federn lassen musste nicht müde zu erwähnen wie gut er sich fühle und dass seine Beine endlich aufgegangen seien...
Und weil ich eh schon grau und noch nicht genug genervt war machte er mich mit seinem Geeiere total irre. Ständig schaltete er hoch in den dritten (der zweite geht nicht obwohl er garantiert alles richtig eingestellt hat), gab Gas, fuhr zwanzig Meter vor um sich dann locker spulend wieder einholen zu lassen. Wenn man schon seit morgens versucht irgendwie den ersten Gang zu drücken und die Kraft immer mehr nachlässt kann einem so was schon mächtig auf den Sack gehen.
Er bekam dann freie Fahrt und musste nicht mehr auf mich warten. Weiter als 20 Meter kam er trotzdem nie weg, hielt aber von nun an den Abstand und sein Tempo überraschen konstant, auch ohne den schuldigen zweiten Gang. Wie gesagt, nicht mein Tag!







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